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Signete: Farbgebung

Warum sind Basler Trams eigentlich grün?

Im Buch "s Basler Drämmli" (GS-Verlag Basel, 1993) erklärt der ehemalige Pressesprechder der BVB, Pius Marrer, das Grün verdankten die Basler Trams einem Zufall. Die ersten Basler Trams, die 1895 geliefert wurden, seien ursprünglich für die Stadt Waldenburg in Schlesien bestimmt gewesen und deshalb grün gehalten. Das ist sachlich nicht ganz richtig, denn entsprechende Wagen (Serie Ce 2/2 22-55) kamen erst ab 1898 nach Basel.

Es dürfte sich also wohl eher so verhalten, dass die Basler Trams deshalb grün waren, weil zu dieser Zeit viele kantonal betriebene Infrastrukturen in grün gehalten waren, so zB. Lichtmasten usw. Auch in anderen schweizer Städten waren in den Anfangsjahren grüne Trams zu finden. Das Grün der Basler Trams soll nach einer anderen Auslegung dem Grün des Rheins nachempfunden worden sein.

Entwicklung der Farbgebung

Seit der Gründung der BStB im Jahr 1895 und der Überführung in die BVB im Jahr 1946 haben sich die Farbgebungen der Basler Tramwagen immer wieder leicht geändert. Aus den frühen Tagen der BStB liegen sehr wenige und kaum konkrete Informationen zur Farbgebung der Trams vor, auch war damals die Farbfotografie noch nicht erfunden und selbst Farbbilder auf farbigem Kodak-Film, wie er kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelt und erstmals eingesetzt wurde, können keine wirklich fundierte Auskunft über die damals verwendeten Farbtöne geben.

Ein weiteres generelles Problem ist die Farbechtheit von fotografischen Bildern, die selbst in digitalen Zeiten nur in professionellen Bildbearbeitungsumgebungen mit farbkalibrierten Verarbeitungsketten einigermassen farbecht reproduziert werden kann.

In den Anfängen

Es ist heute nicht mehr klar, in welchen Farben die frühen Tramwagen der BStB ausgeliefert worden sind, da ausschliesslich Bilder in schwarzweiss vorliegen. Sie waren allerdings meistens zweifarbig, soweit man das erkennen kann, wohl in einem helleren oder dunkleren Grün gehalten. In wieweit die heutigen Basler Oldtimer-Trams eine realistische Farbgebung besitzen, kann ich nicht beurteilen.

Typisch für diese frühe Zeit der Basler Trambahnen waren sicher die reichen farblichen Verziehrungen, die in Gold oder Gelb, allenfalls auch in Weiss und Silber ausgeführt worden sein dürften. Zierrahmen umfassten hauptsächlich Teile des Wagenkastens und der Frontpartien, während Teile der Aufbauten wie Fensterrahmen und natürlich die komplette Inneneinrichtung in lakiertem Naturholz ausgeführt waren.

Es darf davon ausgegangen werden, dass einige Wagenserien in dieser Zeit, also von 1895 bis etwa 1937, auch in dunkleren Grüntönen ausgeliefert wurden.

Während den Kriegsjahren

Bekannt unter der Bezeichnung "Kriegsbemalung" ist eine wohl stark dunkelgrüne Farbgebung, wie sie ab etwa 1938 eingeführt wurde. Typisch dabei sind die mit weisser oder silbergrauer Farbe hervorgehobenen Fenster und Kastenrandpartien. Diese Bemalungsvariante wurde bis 1947 verwendet, wobei auch in den Fünfzigerjahren noch vereinzelt Wagen mit dieser Farbgebung unterwegs waren. Verwendet wurde dabei durchgehend das runde Logo mit dem Baselstab auf weissem Grund.

Nicht alle früheren Wagen wurden an diese neue Farbgebung angepasst, neue jedoch bereits von Werk aus so geliefert. Beispiele dafür sind die C3-Anhänger 723-732.

Primär mit der Kriegsbemalung ausgestattete Fahrzeuge

B3 723-732 [1323-1332]

Nachträglich mit der Kriegsbemalung ausgestattete Fahrzeuge

Be 2/2 22‘‘-55‘‘
Be 2/2 56‘‘-70‘‘
Be 2/2 101-136
Be 2/2 137-216
 
Prototypen
B2 offen
B2 321ff. [1121ff.]
B3 1301ff.
B4 1400
einzelne Wagen (z.B. 27, 43, 53-55)
z.B. 59, 62, 66
z.B. 103-107, 112-114, 116, 120, 124, 129, 133, 134, 136
z.B. 137, 138, 141, 142, 146-148, 155, 162, 167, 172, 176, 178, 182, 192, 193, 195, 198, 199, 202, 203, 205, 207-209, 212, 216
z.B. 72, 73, 450 (302-303, 400)
beide Badwännli, Mitteleinstieger, sowie Nachweis bei 1 Flachdach-Sommerwagen
zahlreiche Fahrzeuge
alle (?) Fahrzeuge
Unikat 4-Achs-Anhänger




1943 wurde die zweite Serie dreiachsiger Anhänger (723-732) in dieser Bemalung ausgeliefert, hier der C3 725 bei seiner Ablieferung vor der Hauptwerkstätte Klybeck.


Von den neueren Motorwagen wurde der grössere Teil mit der Kriegsbemalung versehen, hier der Ce 2/2 167 auf der Margarethenbrücke.

Ab Motorwagennummer 173 erhielt auch die untere Dachkante eine rings herum laufende weisse Zierlinie.


Diese Aufnahme aus den frühen Fünfzigerjahren zeigt einen Zweiachsmotorwagen der letzten grossen Serie mit sogenannter Kriegsbemalung, hier der Ce 2/2 216. Interessant ist die seltene Kombination mit (alten) weissen Zierstreifen und neuem Eidenbenzwappen.

Die Nachkriegszeit

Ab 1947 wurden die Wagen zusammen mit dem neuen Eidenbenz-Logo in einem dunklen "Lindengrün" lakiert. Originalfarben aus dieser Zeit tragen auch heute noch einige Oldtimer der BVB, beispielsweise der Be 2/2 181 und Be 2/2 190, sowie einige Anhänger. Diese Farbgebung wurde lange Zeit verwendet und ist auch heute noch bei den modernen Tramwagen verbreitet.

Wie die Zweiachser aus der Nachkriegszeit wurden auch alle bis zur Jahrtausendwende neu beschafften Wagen in diesem schönen Grün mittlerer Helligkeit bemalt. Allerdings gab es auch dabei über die Jahre subtile Unterschiede, welche besonders bei Reparaturen von Unfallschäden ins Auge stechen.

Neuzeit

Seit 1999 wurden nach und nach alle Fahrzeuge mit dem neuen Vogt-Logo nachgerüstet, was allerdings insgesamt rund acht Jahre gedauert hat. Kein neues Logo besitzen dagegen einige ältere Dienstfahrzeuge (zB. die Schneepflüge Xe 2/2 2021-2023) und natürlich die Oldtimer, die dieses Signet hoffentlich auch nie verlieren werden.

Drei Farben am Be 4/4 464 , Foto: Guido Studer

Drei Farbvarianten am Be 4/4 464 am 17.07.2005 auf dem Bruderholz. Sollten Sie die subtilen Farbunterschiede auf diesem Bild nicht erkennen, könnte das an Ihrem Monitor liegen.

Der heute für die alten Fahrzeuge (also alle ausser den "Combino") verwendete wasserlösliche Alkydharzlack hat die Bezeichnung "NCS 3948 G07Y", was eine spezielle Farbmischung meint. Es wird also keine standardisierte RAL-Farbe oder dergleichen verwendet.

Die letzte Generation

Die Be 6/8 "Combino" gehören zur letzen Generation von Basler Tramwagen, die ab 2001 an die BVB ausgeliefert wurden. Es kam dabei erstmals die bereits für MAN-Gelenkbusse 751ff seit 1999 verwendete, hellgrüne Farbgebung zum Einsatz.

Ein gutes Argument für die Verwendung dieser helleren Farbe ist wohl im Bereich der Sicherheit zu suchen, da solche Fahrzeuge deutlich auffälliger sind, als die dunkleren Wagen der früheren Serien. Je nach Beleuchtungsbedingungen können dunklere Wagen eher übersehen werden, als die etwas helleren "Combino".

 


Alle Rechte © www.tram-basel.ch und Heiner Ziegler - Letzte Änderung: 17.07.2012