BVB: Anhänger C2 282-293
1920 stand die Basler Strassenbahn in einer völlig anderen Situation als 20 Jahre zuvor: Vom unerschwinglichen Verkehrsmittel, das man sich allenfalls für den Sonntagsausflug gegönnt hatte, wandelte sich das Tram zu einem viel benutzten Alltagsverkehrsmittel. Der Bedarf an Sommerwagen reduzierte sich damit, während ein Mangel von allwettertauglichen Anhängern herrschte. Die BStB baute deshalb in der eigenen Werkstätte zwischen dem 16.2.1921 und 5.6.1923 12 Sommeranhänger zu geschlossenen Anhängern mit Mitteleinstieg um, nachdem das Parlament am 12.1.1922 dafür einen Kredit von 192‘000 SFr.- gewilligt hatte. Die Wagen verkehrten hauptsächlich auf der Linie 3, was umso mehr erstaunt, als diese weder Luft- noch Sicherheitsbremsen hatten, von Magnetschienenbremsen ganz zu schweigen.
Mit ihrem Radstand von nur 1,8 Metern hatten sie eher schlechte Laufeigenschaften. Am 24.4.1947 war der Wagen 285 zuhinterst am unfallverursachenden Zug der Linie 4. In der Linkskurve vom Aeschengraben Richtung Aeschenvorstadt wurde der leichte Anhänger aus den Schienen und quer über die Traminsel geschleudert, was viele Opfer forderte. Dieses Tramunglück hatte viele Konsequenzen: Zum einen bedeutete es das Aus für die leichten Mitteleinstiegs-Anhänger. Die Bremssysteme der anderen Fahrzeuge wurden modernisiert und mit Luftbremsen nachgerüstet. Nach dem Eintreffen der ersten Serie von Vierachsanhängern konnte man auf die unzeitgemässen Mitteleinstiegwagen verzichten.
Zwischen 1950 und 1952 wurden die verbliebenen 10 Wagen für den damals stolzen Betrag von Fr. 28‘000.- nach Innsbruck verkauft und verkehrten dort (ausser Nr. 151) zunächst im original Basler Grün. Per 8.11.1966 sind dort aale noch verbliebenen Wagen aus dem Verkehr genommen und bis auf einen danach verschrottet worden. Ein Wagen ist bis heute erhalten geblieben und steht im Museum in Kärnten.
Technische Daten
(für Details siehe TB15 [2003]: 121-123)
| Inbetriebnahme | 1921-1923 |
| Im Fahrbetrieb bis | 1950-1952 |
| Erbauer | Basler Strassenbahnen (BStB), Umbau aus offenen Sommerwagen |
| Länge über Puffer | 8.080 m |
| Kastenlänge | 7.400 m |
| max. feste Höhe | 3.105 m |
| max. feste Breite | 2.200 m |
| Radstand | 1.800 m (später 2.800 m) |
| Tara-Gewicht | 5.5 t |
| Bremsen | Handbremse, Solenoid-Bremse |
| Fassungsvermögen | 20 Sitz- und 25 Stehplätze |
| spätere Änderungen | In Innsbruck:
Entfernung von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen.
IVB 151-158 und 160 auf Radstand 2.800 m umgebaut.
Nr. 159 von Radstand 3.200m auf 2.800 m umgebaut.
1953: Dachglocken.
1956: Compact-Kupplungen an IVB Nr. 152-153 für Verkehr mit Be 2/2 18-21 ex Zürich.
1960: alle Wagen mit Compact-Kupplungen und Magnetschienenbremsen ausgerüstet. |
Typenskizze


Rollmaterial-Geschichte
| Nr. | Inbetriebnahme | Abbruch | Abbildungsnachweis und Bemerkungen |
| 282 | 15.02.1923 | 12.1966 | CJ81: Bild 204-205 (Typenzeichnung). Vom 28.9.1922 bis 15.2.1923 aus Sommerwagen zu geschlossenem AW mit Mitteleinstieg umgebaut. Am 20.3.1950 für Fr. 4000.- nach Innsbruck verkauft: IVB Nr. 151. Inbetriebnahme in Innsbruck am 9.5.1950 als erster der Basler Wagen (in rot-weisser Innsbrucker-Lackierung). Ausmusterung 8.11.1966. Am 7.12.1966 in der Rossau verbrannt. (Quelle: Kreutz 1991). |
| 283 | 26.01.1923 | 1983 | Vom 9.1922 bis 26.1.1923 aus Sommerwagen zu geschlossenem AW mit Mitteleinstieg umgebaut. Vom 10.2.1949 bis 2.3.1949 zu Reklamewagen 2251 umgebaut. Abbruch 1983. |
| 284 | 04.01.1923 | 12.1966 | CJ68: Bild 86 (um 1943). CJ81: Bild 204 (um 1943). TB15: 123 (1950). Vom 24.8.1922 bis 4.1.1923 aus Sommerwagen zu geschlossenem AW mit Mitteleinstieg umgebaut. Am 22.3.1950 für Fr. 4000.- nach Innsbruck verkauft: IVB Nr. 152. Ausmusterung 8.11.1966. Am 7.12.1966 in der Rossau verbrannt. (Quelle: Kreutz 1991). |
| 285 | 31.10.1922 | 1948 | 1966AA94: 175 (1946), TB8: 18 (1947). Vom 28.6.1922 bis 31.10.1922 aus Sommerwagen zu geschlossenem AW mit Mitteleinstieg umgebaut. Beteiligter Unfallwagen am schweren Tramunglück vom 24.4.1947 auf dem Aeschenplatz. Vom 3.8.1948 bis 2.9.1948 Umbau zu Reklamewagen 2250. Am 30.8.1966 für Fr. 50.- an Firma Imfeld auf Abbruch verkauft. |
| 286 | 08.12.1922 | 1961 | Vom 11.8.1922 bis 8.12.1922 aus Sommerwagen zu geschlossenem AW mit Mitteleinstieg umgebaut. Am 27.3.1950 für Fr. 4000.- nach Innsbruck verkauft: IVB Nr. 153. 1960 nach Unfallschaden abgestellt. 1961 abgebrochen. |
| 287 | 08.11.1922 | 1966 | Vom 13.7.1922 bis 8.11.1922 aus Sommerwagen zu geschlossenem AW mit Mitteleinstieg umgebaut. Am 28.3.1950 für Fr. 4000.- nach Innsbruck verkauft: IVB Nr. 154. 1965 remisiert. Ausmusterung 8.11.1966. Am 7.12.1966 in der Rossau verbrannt. (Quelle: Kreutz 1991). |
| 288 | 07.10.1922 | 12.1966 | Vom 30.5.1922 bis 7.10.1922 aus Sommerwagen zu geschlossenem AW mit Mitteleinstieg umgebaut. Am 6.4.1950 für Fr. 4000.- nach Innsbruck verkauft: IVB Nr. 155. Ausmusterung 8.11.1966. Am 7.12.1966 in der Rossau verbrannt. (Quelle: Kreutz 1991). |
| 289 | 20.09.1922 | 12.1966 | Vom 17.5.1922 bis 20.9.1922 aus Sommerwagen zu geschlossenem AW mit Mitteleinstieg umgebaut. Am 6.4.1950 für Fr. 4000.- nach Innsbruck verkauft: IVB Nr. 156. Ausmusterung 8.11.1966. Am 7.12.1966 in der Rossau verbrannt. (Quelle: Kreutz 1991). |
| 290 | 26.08.1922 | nach 1966 | SA95: 202 (1952). Vom 2.5.1922 bis 26.8.1922 aus Sommerwagen zu geschlossenem AW mit Mitteleinstieg umgebaut. Am 17.7.1952 gratis an Verkehrsbetriebe Innsbruck abgegeben: IVB Nr. 158. 1966 an Lagerplatz der Firma Eisen Plattner, später abgebrochen. |
| 291 | 05.06.1923 | nach 1966 | Vom 28.9.1922 bis 5.6.1923 aus Sommerwagen zu geschlossenem AW mit Mitteleinstieg umgebaut. Am 17.7.1952 gratis an Verkehrsbetriebe Innsbruck abgegeben: IVB Nr. 159. Vorübergehend auf Radstand 3.2 m umgebaut, später 2.8 m. 1966 an Lagerplatz der Firma Eisen Plattner, später abgebrochen. |
| 292 | 09.09.1922 | | AA94: 56 (1948). Vom 2.5.1922 bis 9.9.1922 aus Sommerwagen zu geschlossenem AW mit Mitteleinstieg umgebaut. Vom 3.6. bis 16.12.1938 umgebaut mit grösserem Radstand von 2‘900 mm sowie Einbau Sicherheitsbremse BSI. Am 17.7.1952 gratis an Verkehrsbetriebe Innsbruck abgegeben: IVB Nr. 160. 1966 an Lagerplatz der Firma Eisen Plattner. Seit 1977 im Museum Kärntner Erlebnisbahnen. Das Fahrzeug ist angeblich revisionsbedürftig. |
| 293 | 29.07.1921 | 1966 | CJ68: Bild 86a (1921), CJ81: Bild 203 (1921). TB15: 123 (1921). Vom 16.2.1921 bis 29.7.1921 als Prototyp aus Sommerwagen zu geschlossenem AW mit Mitteleinstieg umgebaut. Am 3.4.1950 für Fr. 4000.- nach Innsbruck verkauft: IVB Nr. 157. 1965 remisiert. Ausmusterung 8.11.1966. Am 7.12.1966 in der Rossau verbrannt. (Quelle: Kreutz 1991). |
Rollmaterial-Einsätze
C2 282-293
(Diesbezügliche Angaben in der Literatur sind rudimentär, die gezeichneten Einsatzbeispiele deshalb sicher unvollständig)

Ce 2/2 22‘‘-55‘‘ mit Mittelstiegs-Anhänger: ??? (ab 1950 in Innsbruck: "Basler-Zug").

Ce 2/2 56‘‘-70‘‘ mit Mittelstiegs-Anhänger: Standardzug Linie 3 (ca. 1922-ca.1950).

Ce 2/2 101-136 mit Mittelstiegs-Anhänger: dokumentiert für Linie 18 (z.B. 28.10.1946).

Ce 2/2 152-163 (137‘‘-148‘‘) mit Mittelstiegs-Anhänger: dokumentiert für Linie 18 (1946).

Ce 2/2 149-172 mit Mittelstiegs-Anhänger: dokumentiert für ??.

Ce 2/2 mit B3 1303-1332 + C2 282-292: dokumentiert für Linie 4 (1948 Muba: 148+1330+290)

Ce 2/2 173-216 mit Mitteleinstiegs-C2: dokumentiert z.B. für Linie 18 am 28.10.1946.

Unfallverursachender Zug der Linie 4 am 24.4.1947: Ce 2/2 198 + C2 333 + C2 285.
Bilder
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B2 293 im Jahre 1921, frisch nach dem Umbau (Fotoarchiv BVB).
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Letztes Aussehen der Mitteleinstiegswagen (B2 284). 1950/52 gingen alle nach Innsbruck (Fotoarchiv BVB).
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