BVB: Motorwagen Be 4/4 453-456
Nach verschiedenen verworfenen Rollmaterialvorlagen wurde um 1955 der Zustand des Rollmaterials langsam prekär: 55-jährige Zweiachser standen noch täglich im Einsatz! Die in den Jahren 1948/51 in Dienst genommenen Vierachser genügten nicht, die damit betriebenen Linien 1/4, 3, 6 und 18 vollständig mit Vierachsern zu betreiben. Am 12. Mai 1955 konnten einem Kreditbegehren für neue Trolley- und Autobussen noch eine kleine Bestellung von vier Motorwagen beigefügt werden, ohne dass das Referendum ergriffen wurde. Nach Ablieferung dieser vier Fahrzeuge im Jahre 1958 konnte endlich auch die Linie 18 vollständig mit Vierachsern betrieben werden.
Die neuen Fahrzeuge waren im Prinzip baugleich mit den Vorgängern 401 - 452. Äusserlich unterschieden sie sich durch kräftigere Stossstangen ohne Frontkupplung und Klappfenster ohne Storen. Der Fahrgastkomfort wurde erhöht durch blau gepolsterte Fahrgastsitze, Hitzeabsorbierenden Scheiben mit Klappfenstern, eine modernere Beleuchtungsanlage und Deckenheizung/-Lüftung. Diese Ventilatoren-unterstützte Deckenheizung gab diesen Wagen im Volksmund den Übernamen "Staubsuuger". Die drei hinteren, grossen Fenster türseits hatten ursprünglich eine Aluminiumeinfassung (statt Gummi) und eine Doppelverglasung, um das Anlaufen der Scheiben zu verhindern und so dem Billeteur eine gute Sicht zu gewähren.
Die Verbesserung des Fahrgastkonforts gegenüber den ersten Vierachsern ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass zu jener Zeit die Autolobby und damit die Tram-Gegnerschaft zunehmend an Einfluss gewann und den Trambetrieb am liebsten abgeschaft hätte. Bis auf den Ausbau des Billeteursitzes, Anpassungen an den billeteurlosen Betrieb und Verlagerung elektrischer Aggregate in den Fahrgastinnenraum haben die Fahrzeuge keine grossen Änderungen erfahren. Die neuen Vierachser standen in den ersten Jahren vorwiegend auf den Linien 6 und 18 im Einsatz. Später kamen sie auf die Linien 15/16, wo sie bis zu ihrer Verschrottung blieben. Zusammen mit den letzten Vierachsern der Serie 401-452 wurden sie im Frühling 2001 aus dem Verkehr genommen und sofort abgebrochen. Der Wagen 456 entging nur knapp diesem Schicksal: Er wurde zusammen mit den Düwags der ersten Serie nach Belgrad verschenkt. Als Unikat bildete er ein Fremdkörper in der dortigen Fahrzeugflotte und wurde kaum im Fahrdienst eingesetzt. Er soll ab 2004 als Schneeräumungsfahrzeug Verwendung finden.
Im unten angefügten Bildernachweis ist ersichtlich, dass den schönen Motorwagen bisher wenig Beachtung geschenkt worden ist. Künftige Bücher über das Basler Tram haben hier die dankbare Aufgabe, Lücken zu schliessen.
Technische Daten
(für Details siehe TB15 [2003]: 95-96)
| technische Daten (für Details siehe TB15 [2003]: 95-96) |
| Inbetriebnahme | 1958 |
| Erbauer | Schindler Waggon AG, Pratteln (SWP) |
| elektrische Ausrüstung | Brown Boveri, Baden (BBC) |
| Wagenpreis | SFr. 291‘024.- |
| Länge über Puffer | 13‘735 mm |
| grösste feste Breite | 2‘200 mm |
| grösste feste Höhe | 4‘040 mm |
| Achsabstand | 1‘850mm |
| Drehgestellmittenabstand | 6‘400mm |
| Triebraddurchmesser | 720 mm |
| Tara-Gewicht | 20‘000 kg. |
| Total: Sitz/Stehplätze | 97: 28+2/69 |
| V max. | 60 km/h |
| Motoren | 4 BBC GLM 0301s à 90 PS |
| Bremsen | elektrische Widerstandsbremse
Druckluftbremse System Westinghouse
Magnetschienenbremse für Batteriespannung
Handbremse (Kurbel/Spindel)
EPV für Anhänger-Druckluftbremsen. |
| spätere Änderungen |
um 1960: Lüftungsklappe über Scheinwerfer.
1965: Aussenrückspiegel vorne rechts. Fahrzeugnummern an allen veir Flanken.
1970: Einrichtungen für billeteurlosen Betrieb, später Demontage Billeteursitz.
1971-1972: Demontage Billeteurkabine, Eibau eines Apparatekastens auf der gegenüberliegenden Seite. Ausbau der Warmluft-Deckenheizung, neue Untersitz-Heizgebläse. Elektrische Rasselglocke, Ausbau der vorderen Signalleuchte, neue Trittbrettbeleuchtung, Rillengummi-Fussbodenbelag.
um 1975: BSI-Pufferanlage.
1980-1981: Führerstandtüre, Sprechfunk, Anbindung an Betriebsleitsystem.
1982: Frequenzweichensteuerung.
1986: Automatische Spurkranzschmierung.
1992: Einrichtungen für automatische Fahrgastzählung.
2001: Ausmusterung und Abbruch (253-255). |
Typenskizze


Rollmaterial-Geschichte
| Nr. | Inbetrieb | Abmeld. | Abbruch |
Abbildungsnachweis und Bemerkungen |
| 453 | 18.01.1958 | 18.05.2001 | 28.05.2001 | CJ68: Bild 71 (um 1965). CJ81: Bild 144 (um 1965). CJ84: Bild 170 (um 1975). 13.8.1975: Entgleisung bei der Markthalle. |
| 454 | 21.02.1958 | 02.05.2001 | 16.05.2001 | CJ68: 72 (1958). CJ81: Bild 145 (Werkaufnahme 1958). CJ84: Bild 171 (1968). TB15: 95 (1958), 96 (1990). |
| 455 | 12.03.1958 | 28.05.2001 | 31.05.2001 | AA94: 196 (1958). |
| 456 | 09.04.1958 | 26.06.2001 | - | CJ68: Bild 157 (um 1965). TB13: 59 (1990). Vom 27.-29.4.1959 zusammen mit B3 1336 in fahrplanmässigem Einsatz auf der Birseckbahn zwischen Aeschenplatz und Dornach (ohne Liniennummerschild). Der Einsatz geschah parallel mit Autobussen und diente zur Klärung der Frage, ob die alte BEB auf modernen Trambetrieb oder auf Busbetrieb umgestellt werden sollte. Am 10.10.2001 nach Belgrad verschenkt (GSP Nr. 456). Dort selten im Linienbetrieb (Linie 2), hauptsächlich als Rangierfahrzeug verwendet. Ab 2004 Einsatz als Schneeräumungsfahrzeug vorgesehen. |
Rollmaterial-Einsätze

solo: Linie 1 (4.7.1999) und andere

mit 1 B2 1241-1248: Linie 18 (1959-1967)

mit 2 B2 1241-1248: Linie 18 (1959-1967)

Be 4/4 454 mit B3 1301: dokumentiert für Linie 26

mit 1 B3 1303-1332: dokumentiert für Linien 1, 4, 15, 16

mit B3 1333-1344: dokumentiert für Linien 1, 4, 15, 16, 18, 26, BEB: 1959

mit 1 B4 1401-1415: dokumentiert für Linien 3, 6, 9, 18

mit 1 B4 1416-1506: dokumentiert für Linien 1, 2, 3, 4, 6, 7, 8, 15, 16, 18

Be 4/4 453-456 mit 1 B4S: dokumentiert für Linien 15, 16
Bilder
|
|
|
|
Be 4/4 453 am 4.7.1999 beim Klybeck.
|
|
Be 4/4 454 am 26.10.1999 auf der Margarethenbrücke (Fotos R.Gerbig).
|
| |
|
|
|
|
Be 4/4 455 kurz vor dem Abbruch am 13.05.2001.
|
|
Be 4/4 456 am 25.8.1999 (Foto R.Gerbig)
|
| |
|
Heute gibt es in Basel keines dieser schönen Fahrzeuge mehr. Der Be 4/4 456 wurde nach Belgrad verschenkt, die anderen abgebrochen.
|
|
|
|