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Rollmaterial:                     


BVB: Motorwagen Ce 2/2 56-70

1910 bestellten die Basel Strassenbahnen einen Mustermotorwagen (Nr.137, ab 1918 Nr.56), der für den Einsatz auf der Linie 3 mit der steilen Kohlenbergrampe vorgesehen war. Als damals sensationelle Neuerung wies er gewölbte Scheiben auf, die allerdings blendeten und bald durch Flachscheiben ersetzt wurden. Die ebenfalls eingebaute Spindelbremse erwies sich als problematisch und wurde kurze Zeit später durch eine Kettenbremse ersetzt. 1913 wurde eine Magnetschienenbremse eingebaut, bei der Folgeserie war diese ab Werk vorhanden.

Der Mustermotorwagen hinterliess einen guten Eindruck und führte zu einer Folgebestellung von 14 weiteren Motorwagen (138-151, ab 1918 Nr.57-70). Die Wagen dieser Serie hatten eine Magnetschienenbremse, eine geschlossene Führerkabine, seitlich drei Wagenfenster, wovon das mittlere breit und die äusseren schmaler waren und Längssitze im Fahrgastraum. Äusserlich konnten die Fahrzeuge leicht von anderen Dreifensterwagen unterschieden werden: Das der Serie eigene Charakteristikum war ihr markantes, konkav geformtes Längsblech an der unteren Wagenseite (beim Wagen 61‘‘ beispielsweise später durch flache Bleche ersetzt). Anfangs der Zwanzigerjahre wurden Durchgangstüren eingebaut, und zwischen 1931 und 1933 erhielt die ganze Serie wegen unbefriedigender Laufeigenschaften neue Untergestelle mit grösserem Radstand und Fendern. Dabei wurden auch stärkere Motoren eingebaut, die später aber wegen Problemen mit den Kontrollern wieder durch schwächere ersetzt wurden.

Von 1912 bis 1951, also fast 40 Jahre lang, prägten diese Wagen die Linie 3. Als der Dreier ab 1951 mit modernen Vierachsern ausgerüstet wurde, kamen diese Wagen auf die Linie 2, auf die Auslandstrecken (5, 6) und in die Wagenreserve. Interessant ist, dass alle Wagen gegen 55 Jahre lang in Betrieb waren und auch in einem kurzen Zeitrahmen von 1966 bis 1968 verschrottet wurden. Leider ist kein einziges dieser Fahrzeuge erhalten geblieben.

Technische Daten

(für Details siehe TB15 [2003]: 48-52)
Inbetriebnahme137: 1911
138-151: 1912
ErbauerSchweiz. Waggonfabrik Schlieren (SWS)
elektrische Ausrüstung137: Electrizitäts Gesellschaft Alioth (EGA)
138-151: BBC
Wagenpreis137: SFr. 20‘890.-
138-151: SFr. 29‘800.-
Länge über Puffer8‘780 mm
grösste feste Breite2‘150 mm
grösste feste Höhe3‘800 mm
Achsabstand2‘000 mm
nach Umbau ab ca. 1933: 2‘700 mm
Triebraddurchmesser810 mm
Tara-Gewicht9‘700 kg-10‘000kg
nach Umbau ab ca. 1933: 12‘650kg-12‘850 kg
Total: Sitz/Stehplätze50: 18/32
V max.25 km/h
Motoren2 EGA GTM 25a à 33 PS
später 2 GTM 3i à 66 PS oder 2 GTM 132 à 74 PS
Bremsenelektrische Widerstandsbremse
Handbremse (137: Kurbeln/Spindeln; 138-151: Kurbeln/Kettenzüge)
Magnetschienenbremse für Fahrleitungsstrom (bei Ce 2/2 137 nachträglich eingebaut)
Einrichtungen für Anhänger-Solenoidbremsen.
Sandstreuvorrichtungen.
spätere Änderungen 1914: Montage von Streifkupplungen.
1926: Einbau optischer Signalgebung und Dachrutenkupplung.
1922-1927: Einbau Stirnwandtüren, Übergangseinrichtungen.
1931-1933: Neues Untergestell mit Fender und verlängertem Radstand von 2.7 m. Neue GTM 132 Motoren à 74 PS, Stopex-Bremsgestänge.
1934-1935: Scherenpantograf
1936: Schutzhauben für Liniennummernschilder. 1943-1947: Einbau schwächerer GTM 3i-Motoren à 66 PS.
1954-1955: Richtungsblinker.

Typenskizze


Skizze des Prototyps Nr. 137 von 1911: Sein markantes Merkmal, die konvex gewölbten Stirnfront-Eckscheiben, kommen dabei kaum zur Geltung. Im Gegensatz zur Folgeserie hatte der Prototyp ursprünglich keine Magnetschienenbremse und keine Dachwiderstände.


Skizze eines Ce 2/2 57‘‘-70‘‘ nach erfolgten Umbauten mit neuem Untergestell und Übergangseinrichtungen. Die Dachwiderstände und Magnetschienenbremsen waren bei der Serie 138-151 (57‘‘-70‘‘) ab Werk vorhanden.

Rollmaterial-Geschichte


Nr.ANr.BVerwendungAbbildungsnachweis und Bemerkungen
13756‘‘ AA94: 1956. CJ68: Bild 28 (um 1967). CJ69: Bild 231 (1911), CJ81: Bild 71 (um 1967), Bild 76/77 (Typenzeichnung), Bild 269 (vor 1966). TB15: 48 (1910), 49 (1966).
Mustermotorwagen der SWS (Schlieren). Ursprüngliche Plattform mit gewölbten Scheiben. Inbetriebnahme 28.1.1911. 1911: Ersatz der ursprünglichen Spindelbremse durch Kettenbremse kurz nach Inbetriebnahme. 8.1913: Einbau Magnetschienenbremse für Fahrleitungsspannung. Ab 17.7.1918 Nr. 56‘‘. 13.12.1926 bis 2.5.1927: Umbau, Einbau Stirnwandtüren, flache Scheiben im Frontbereich, Übergangseinrichtungen. 1933: Neues SWS-Untergestell, Radstand neu 2‘700 mm, neue Kasten-Abfederung, Lattenfender, neue Motoren (GTM 132 à 74 PS). 1.1935: Scherenpantograf. 9.1936: Schutzhaube für Liniennummernschilder. 3.1944: Einbau schwächerer Motoren (GTM 3i à 66 PS vom Ce 2/2 190). 11.1954: Richtungsblinker. Trug 1955 den Namen "zum Sausewind". Ausmusterung 4.9.1967, anschliessend Abbruch bei Thommen, Kaiseraugst (Quelle: TB15).
13857‘‘ AA94: 164 (1920). CJ84: Bild 45 (Abbruch). TB13: 23 (1963).
Inbetriebnahme 28.6.1912. Ab 30.12.1918 Nr. 57‘‘. 22.11.1926 bis 26.2.1927 Einbau von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen. Trug 1955 den Namen "zur Fortuna". Ausmusterung 28.6.1967, anschliessend Abbruch bei Imfeld, Basel (Quelle: TB15).
13958‘‘ CJ81: Bild 364, 367 (1968, Abbruch). TB8: 80 (1967: Abbruch).
Inbetriebnahme 29.6.1912. Ab 21.11.1918 Nr. 58‘‘. 29.4.1924 bis 16.8.1924 Einbau von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen nach Kollision. Am 5.11.1924 bereits erneute Kollision mit Frontschaden. Am 5.4.1933 Kollision mit Lastwagen auf der Kreuzung Thiersteinerallee/Dornacherstrasse, anlässlich Reparatur Einbau eines neuen Untergestells. Trug 1955 den Namen "zum Zank". Ausmusterung 20.4.1967, anschliessend Abbruch bei Thommen, Kaiseraugst (Quelle: TB15).
14059‘‘ AA94: 179 (1965). CJ84: Bild 7 (1967). TB15: 52 (1965), 161 (1965).
Inbetriebnahme 29.6.1912. Ab 10.12.1918 Nr. 59‘‘. 29.8.1926 bis 25.11.1926 Einbau von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen. Trug 1955 den Namen "zur Ehrenburg". Ausmusterung 26.10.1967, anschliessend Abbruch bei Imfeld, Basel (Quelle: TB15).
14160‘‘ CJ68: Bild 26 (1912). CJ81: Bild 74 (1912). TB15: 50 (1912).
Inbetriebnahme 2.7.1912. Ab 1918 Nr. 60‘‘. 9.6.1926 bis 4.9.1926 Einbau von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen. Trug 1955 den Namen "zum Fälklein". Ausmusterung 4.9.1967, anschliessend Abbruch bei Thommen, Kaiseraugst (Quelle: TB15).
14261‘‘ AA94: 109 (1963). CJ68: Bild 161, 163 (um 1965). CJ81: Bild 293 (um 1967). TB9: 53 (1967).
Inbetriebnahme 2.7.1912. Ab 11.9.1918 Nr. 61‘‘. Am 8.11.1922 schwre Kollision mit Zerstörung der vorderen Plattform. 9.11.1922 bis 15.9.1923 Einbau von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen. 1935 bis 1941 versuchsweise Einsatz eines Verbindungskabels zu Anhänger 323 (statt Dachruten). Trug 1955 den Namen "zur Zosse". Ausmusterung 4.9.1967, anschliessend Abbruch bei Thommen, Kaiseraugst (Quelle: TB15).
14362‘‘ CJ68: Bild 151 (um 1950), Bild 164 (um 1965). CJ81: Bild 75 (um 1933), Bild 286 (vor 1957), Bild 290, Bild 292 (um 1967), Bild 365 (1968, Abbruch). SA95: 114 (1943). TB9: 49 (1967), 53 (1966). TB15: 51 (1932), 162 (1966).
Inbetriebnahme 2.7.1912. Ab 1918 Nr. 62‘‘. 23.9.1926 bis 23.12.1926 Einbau von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen. Trug 1955 den Namen "zur gelben Schraube". Ausmusterung 4.9.1967, anschliessend Abbruch bei Thommen, Kaiseraugst (Quelle: TB15).
14463‘‘ AA94: 179 (1965). TB9: 53 (1966). TB15: 52 (1965).
Inbetriebnahme 3.7.1912. Ab 20.9.1918 Nr. 63‘‘. Kollisionsschaden am 31.3.1926. 9.4.1926 bis 31.7.1926 Einbau von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen. Trug 1955 den Namen "zum Kameel". Ausmusterung 26.10.1967, anschliessend Abbruch bei Imfeld, Basel (Quelle: TB15).
14564‘‘ CJ68: Bild 162 (um 1965). CJ81: Bild 294 (um 1967), Bild 363 (1968, Abbruch). CJ84: Bild 8 (1965), Bild 101 (1967, Abbruch). TB7: 55.
Inbetriebnahme 3.7.1912. Ab 28.10.1918 Nr. 56‘‘. 29.6.1925 bis 22.5.1926 Einbau von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen. Trug 1955 den Namen "zum Pharisäer". Ausmusterung 4.9.1967, anschliessend Abbruch bei Thommen, Kaiseraugst (Quelle: TB15).
14665‘‘ CJ68: Bild 139 (1967), Bild 167 (1967). CJ81: Bild 266 (1967), Bild 307 (1967). SA95: 161 (1957). TB11: 39 (1967)
Inbetriebnahme 4.7.1912, mit Geschwindigkeitsmesser Sirius ausgerüstet. Ab 25.11.1918 Nr. 56‘‘. 12.7.1926 bis 16.10.1926 Einbau von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen. Um 1943/44 Ersatz des Tachometers durch ein Hasler-Gerät. Trug 1955 den Namen "zur Muschel". Ausmusterung 4.9.1967, anschliessend Abbruch bei Thommen, Kaiseraugst (Quelle: TB15).
14766‘‘ AA94: 56 (1948). CJ69: Bild 232 (1932). CJ84: Bild 45 (Abbruch).
Inbetriebnahme 5.7.1912. Ab 21.10.1918 Nr. 66‘‘. 3.5.1927 bis 13.8.1927 Einbau von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen. Trug 1955 den Namen "zum Vogel Strauss". Ausmusterung 28.6.1967, anschliessend Abbruch bei Imfeld, Basel (Quelle: TB15).
14867‘‘ Inbetriebnahme 20.7.1912. Ab 8.7.1918 Nr. 67‘‘. 1.3.1927 bis 30.6.1927 Einbau von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen. Trug 1955 den Namen "zur Laterne". Am 20.8.1948 fuhr der Motorwagen führerlos vom Dreispitz zum Aeschenplatz, wo er eine schwere Kollision mit Todesfolge verursachte. Ausmusterung 26.10.1967, anschliessend Abbruch bei Imfeld, Basel (Quelle: TB15).
14968‘‘ AA94: 80 (1957), 141 (1965). CJ68: Bild 152 (um 1957). CJ69: Bild 175 (1957). CJ81: Bild 287 (um 1957).
Inbetriebnahme 27.7.1912. Ab 3.9.1918 Nr. 68‘‘. 16.3.1926 bis 10.7.1926 Einbau von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen. Trug 1955 den Namen "zum Mond". Ausmusterung 28.6.1967, anschliessend Abbruch bei Imfeld, Basel (Quelle: TB15).
15069‘‘ CJ68: Bild 29 (vor 1933), Bild 30 (um 1965). CJ81: Bild 78 (vor 1931), Bild 79 (um 1965), CJ84: 210 (1924). TB10: 47 (um 1965). TB15: 51 (1932).
Inbetriebnahme 30.10.1912. Ab 1913 Erprobung verschiedener Schienenbremsmagnete. Ab 30.12.1918 Nr. 69‘‘. Kollision am Ostersonntag, 20.4.1924 mit Auto, der Motorwagen wurde dabei umgeworfen. Vom 23.4.1924 bis 18.11.1924 Einbau von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen. Trug 1955 den Namen "zum Ritter". Ausmusterung 28.6.1967, anschliessend Abbruch bei Imfeld, Basel (Quelle: TB15).
15170‘‘Xe2/2 2001CJ81: Bild 257 (1964, als Xe2/2 2001).
Inbetriebnahme 27.7.1912, mit Hasler-Tachometer ausgerüstet (später entfernt). Ab 25.11.1918 Nr. 70‘‘. 5.5.1925 bis 12.9.1925 Einbau von Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen. Ab 9.6.1951 Xe2/2 2001‘‘: +GF+ Kupplungen. Abbruch 19.7.1968 (Quelle: Wagenblatt 2002).

Rollmaterial-Einsätze

(Diesbezügliche Angaben in der Literatur sind rudimentär, die gezeichneten Einsatzbeispiele deshalb sicher unvollständig)
Copyright Heiner Ziegler
Ce 2/2 solo: dokumentiert für Linien 1, 2, 3, 4, 5 (St-Louis), 6 (Lörrach), 7, 15, 18, 23 (?).
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Ce 2/2 mit Sommeranhänger: dokumentiert für Linie 3, 23 (?)
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Ce 2/2 mit 2 Sommeranhängern: dokumentiert für Linie 3 und E (Muba)
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Ce 2/2 mit offenem C2: dokumentiert für Linie 3
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Ce 2/2 mit geschlossenem C2: dokumentiert für Linie 3
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Ce 2/2 mit Mittelstiegs-Anhänger: Standardzug Linie 3 (ca. 1922-ca.1950)
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Ce 2/2 mit B2 1120ff.: dokumentiert für Linien 2, 3 (1921).
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Ce 2/2 mit B2 1176ff.: dokumentiert für Linie 2
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Ce 2/2 mit B3: ???

Bilder

 
Der Prototyp der Serie wies elegante gewölbte Fenster auf. Wegen Blendwirkung wurden diese allerdings bald durch Flachfenster ersetzt.   Aussehen der Wagen nach dem Umbau anfangs der Dreissigerjahre: Sie haben ein neues Untergestell und einen Pantografen erhalten. Gut erkennbar ist auch das Charakteristikum dieser Serie: Das konkav gewölbte Blech der unteren Seitenwand (Bild BVB-Archiv).
 
 
Innenaufnahme des Wagens 69 vom April 1924 (Fotoarchiv BVB). Beachte die doppelte Schiebetür zum Fahrgastraum und die kunstvollen Holzverzierungen. Der Wagen hat noch keine Verbindungstüren, der Fahrschalter befindet sich in der Wagenmitte! Der Wagenkasten ist etwas verzogen, nachdem er an der Thiersteinerallee nach einer Kollision mit einem Lastwagen gekippt ist (vgl. SA95: 210).   Frontansicht. Die Wagen haben weder +GF+-Kupplungen noch Brosebandkästen erhalten.
 


Alle Rechte © www.tram-basel.ch und Heiner Ziegler (Stand: 13.12.2003) - Letzte Änderung: 17.07.2012